Augenstille

Roman, 1999, eFeF-verlag, Bern

An einem ganz gewöhnlichen Sommermorgen beschliesst die fünfzigjährige Sidonie, die Augen nicht mehr zu öffnen. Eine Laune? Verweigerung? Die Frage stellt sich nicht, denn Sidonie ist vollauf damit beschäftigt, sich in ihrem Haushalt zurechtzufinden. Was sich mit offenen Augen problemlos erledigen lässt, wird nun zum anspruchsvollen Hindernislauf. Im unteren Stockwerk hört Sidonie das Paar rumoren, Bastian und die Schwedin Gunda, die dort ihren Platz eingenommen hat. Widerstrebend beginnt Sidonie, ihr Leben zu sichten. Je länger sie im Dunkeln lebt, desto schärfer sieht sie ihre innere Realität, desto mutiger stellt sie sich ihrer Vergangenheit. Sie erobert sich ihre Wohnräume, die Objekte des Alltags und nicht zuletzt ihren entfremdeten Körper zurück.


Zitat

„An einem schönen Julimorgen erwachte ich vom Lärm der Vögel. Ich drehte den Kopf auf dem Kissen, schmatzte mit den Lippen und schlug die Augen auf. Mein Blick fiel auf ein Daunenfederchen, das im Kissenbezug stak und von meiner Ausatmungsluft heftig bewegt wurde. Wie ein Stromstoss führ das Entsetzen durch meinen Körper. Ich klappte meine Augendeckel auf der Stelle wieder zu. Ich würde die Augen nicht wieder öffnen, nicht am heutigen Tag und nicht morgen. Nie mehr.“


Preis CHF 32.- und kann bei der Autorin bestellt werden. Kontakt