SCHWINDLIG

Roman, 2026, orte Verlag Herisau

Franz und Eva wachsen in den 1950er und 1960er Jahren auf dem Dorf in bürgerlichen Familien auf. Ihre Eltern sind Geschäftsleute. Sie kennen sich nicht, ihre Wohnorte liegen weit voneinander entfernt. In episodischer Weise wird im ersten Teil des Buches das Leben der beiden Kinder schlaglichtartig beleuchtet. Was als wohlbehütete Kindheit durchgehen könnte, fühlt sich sowohl für die verträumte Eva als auch für „das Preiskind“ Franz als ständige Reibungsfläche zwischen äusseren Ansprüchen und inneren Impulsen an. Im Heranwachsen entwickeln die Kinder jedoch eine bemerkenswerte Kraft, um sich von den Zumutungen ihres Umfeldes ein gutes Stück zu befreien. Als Zwanzigjährige, zwar mündig, aber noch nicht wirklich erwachsen geworden, lernen sie sich an einem Anlass kennen, der von einer ganz anderen, freieren Lebensweise kündet.

Die Geschichte macht einen Sprung von rund 60 Jahren. Eva und Franz sind – seit langem wieder getrennt voneinander – alt geworden. Eva lebt in einer Alterswohnung und ist auf Unterstützung angewiesen, Franz ist das, was man einen einsamen Wolf nennen könnte. Es wäre die Zeit, um Rückschau zu halten, doch das Leben schaltet sich mit Macht ein und stellt die beiden Protagonisten in kurzer Zeit vor ungeahnte Herausforderungen. Weder Franz noch Eva können sich den auftauchenden Veränderungen entziehen. Erst widerstrebend, dann mit wachsender Neugier lassen sie sich auf das ein, was die Lebenswirklichkeit an sie heranträgt und stellen staunend fest, dass das Alter keine Zeit kennt.

Ereignet sich die Kindheit wie ein Naturgesetz oder kann ihm widersprochen werden? Erleidet man das Alter als blosses Versiegen der Kräfte oder hat es das Potenzial, neue Räume zu öffnen? Kann das Leben jemals ins Leere laufen? Es sind solche Fragen, die der vorliegende Roman stellt, behutsam und mit feinem Humor.